News: FAI_World Championships_Class 5 & European Championships Class 1
(Kategorie: Misc)
Eintrag von Frank Nalter
Dienstag 26 Juli 2016 - 23:32:30

Hallo Leute!

Anbei darf ich euch den Kurzbericht von Walter Geppert nach bisher 6 Durchgängen vorlegen.
Danke Walter, dass du auch als Wettkampfpilot noch die Zeit und Mühe findest einen Artikel zur WM für deine Fliegerfreunde nach Hause zu schreiben.
Vielen, vielen Dank!






Um mein Zwischenresümee vorweg zu nehmen: Ich fliege seit 40 Jahren Drachen, habe mich als erfahrenen Streckenflieger gesehen und mir vor WM-Beginn mit etwas Glück eine Medaillenchance eingeräumt. Nach 6 Wertungsdurchgängen muss ich erkennen, dass ich, momentan auf Platz 6, mich vermutlich bestenfalls noch um 1 bis 2 Plätze verbessern kann. Ich verstehe das Wetter, die Windsysteme und Thermiken in diesem Gelände einfach nicht gut genug. Solange wir hoch sind, der Wind schwach ist und am Himmel Cumuluswolken den Weg vorgeben, ist das Streckenfliegen wie in den Alpen und supertoll. Sobald wir aber in Kammhöhe fliegen, komme ich mir hier in Krushevo wie ein Anfänger vor. Die Tasks führen uns meist von einigen hundert Meter hohen Bergen über 20 bis 50 km Gleitstrecken im Flachland zu Berggruppen am anderen Ende des Plateaus und wieder über´s Flache auf die andere Talseite und so weiter. Wind und Thermik wechselt innerhalb von 5km von einem Tal ins nächste so gravierend, wie ich es noch nicht gesehen habe. Beim bisher letzten Durchgang bin ich z.B. mit dem gesamten Pulk im Startgate nur wenige hundert Meter über dem Start, bei 20km/h Ostwind und zerrissener, schwacher Blauthermik gekreist und habe eine halbe Stunde lang sehnsüchtig nach Westen geschaut, wo in 5 bis 10km Entfernung Cumuluswolken eine um fast 1.000m höhere Basis angezeigt haben und ich schon am Vortag, allerdings bei schwachem Wind, mit dem Spitzenpulk eine super Startposition erreicht habe. Heute, bei 20km/h Wind in so geringer Höhe, durchs Lee, in ein Tal mit eher schlechten Landemöglichkeiten zu fliegen, habe ich aber für keine gute Idee gefunden. Wie dann Timmi, Itagaki und Kothi kurz später nach Westen abgeflogen sind, habe ich ihnen zwar sehnsüchtig nachgeschaut, bin aber nach reiflicher Überlegung dabei geblieben, nicht nachzufliegen. Einige Minuten habe ich noch beobachtet, wie die Drei am Platz vom Vortag nicht steigen und war froh die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dann war ich wieder mit dem Mega-Verkehr im Startgate beschäftigt. 20 Minuten später, kurz vor Rennbeginn habe ich dann 3 Drachen ca. 1.000m über uns vom Westen kommend auf die Startlinie zukommen sehen. Meine Entscheidung war somit falsch. Wie ich am Abend von Wolfgang erfahren habe, war schon 2km westlich vom Startberg durch die starke Thermik, schwacher Nordwestwind, statt starkem Ostwind und war es mühelos an die Basis in fast 2.500m zu gelangen. Dieses Spiel setzt sich den ganzen Tag für mich fort. Bei bis zu 25km langen Gleitstrecken aus 2.800 Meter Höhe fliegen wir geradeaus über´s Flachland, genau auf die nächste Wende zu und hoffen dass es statistisch sehr wahrscheinlich ist innerhalb von 25km irgendwann in eine Thermik zu stolpern. Das hat bisher auch immer funktioniert. Sobald ich aber versucht habe kleine Umwege zu fliegen und kleine Unebenheiten im Gelände für eine, meiner Meinung nach „bessere Linie“ zu nutzen, bin ich bisher ausnahmslos bei der nächsten Wende tiefer als die „geradeaus dem Pfeil nach- Flieger“ angekommen. Ich habe jetzt, nach 6 Durchgängen zur Kenntnis genommen, dass meine Erfahrungen und meine Logik in diesem Gelände mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit nicht funktioniert. Mein Selbstvertrauen ist schon ganz schön angeschlagen. Nach meinen vielen kleinen Fehlentscheidungen in der Luft habe ich andauernd das Gefühl im Kampf um Spitzenplätze nicht dabei zu sein. Scheinbar geht es aber den meisten Piloten so ähnlich, bzw. noch schlechter wie mir und bin ich mit meinem momentan 6.Platz in Anbetracht der Umstände eigentlich ganz zufrieden. Nur die im Klassement auf den ersten 4 Plätzen liegenden Timmi Grabowski, Wolfgang Kothgasser, Naoki Itagaki und Christoper Friedl kommen mit diesen Bedingungen offensichtlich deutlich besser zurande und fliegen hier in Mazedonien aus meiner Sicht, gegenüber dem restlichen Teilnehmerfeld, beinahe in einer eigenen Liga.
Land und Leute sind einfach super. In der Teamwertung sind wir toll unterwegs und duftet alles nach Gold für Österreich. Außerdem werden wir laut Wetterbericht vermutlich noch 3 Durchgänge fliegen. Das sind 3 Chancen das Geschehen hier in Krushevo doch noch einigermaßen zu verstehen und mich im Klassement vielleicht noch ein Bisschen zu verbessern.

Fliegergrüße aus Krushevo / Mazedonien
Walter



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